Puh, was mache ich als Hauptamtliche:r mit so einem Satz? Stimmt ja irgendwie. Ich bekomme Geld dafür, dass ich das Ehrenamt anderer Leute organisiere. Aber muss ich dann auch immer alles machen, was anderen zu lästig, zu anstrengend oder zu banal ist?
Das Verhältnis zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen ist von grundauf eines mit Gefälle und eingebauten Stolpersteinen. Dazu gehört die Ungerechtigkeit, dass die einen für etwas bezahlt werden, für das andere ihre Freizeit opfern. Hauptamtliche Arbeit, das große Los! Tatsächlich ist ihre Arbeit für die meisten Hauptamtlichen, die ich kenne, nicht nur ein austauschbarer Job. Die allermeisten sind mit viel Herzblut dabei und identifizieren sich mit „ihrem“ Verein, „ihrer Ini“ oder „ihrem Engagementprojekt“ – oder sie gehen relativ bald wieder. Das mit dem Herzblut ist nämlich so eine Sache. Herzblut verführt dazu, immer ein wenig mehr zu arbeiten, als bezahlt wird. Es geht ja um den guten Zweck, und Spaß macht es meisten auch. Oft rekrutieren sich die Hauptamtlichen sogar aus dem Umfeld der Organisation, so dass sie vorher schon ehrenamtlich beteiligt waren. Klar organisiert der Hauptamtliche dann nicht nur das Fest (kurz vor dem großen Event natürlich auch mit ein paar Überstunden), sondern ist auch spät nach Feierabend noch mit auf der eigentlichen Party – allerdings oft nicht als Gast ohne Pflichten, sondern als Mädchen für alles, das den von ihm selbst beauftragten Caterer zum Nachlegen oder Abräumen auffordert, Leuten zeigt, wo WC und Garderobe sind und zwischen zwei Ansprachen schnell noch die Blumensträuße für die Redner:innen aus dem Nebenraum holt. Natürlich steuert die Hauptamtliche vor Drucklegung der Jahresschrift noch ein paar Nächte bei, um die Texte korrekturzulesen, die nach langem Hin und Her von den ehrenamtlichen Autor:innen – ja, sorry, zu spät, mein Beruf geht halt vor – nach der Abgabefrist noch eingereicht worden sind.
Selbst schuld, könnten wir sagen, und auch das stimmt. Viele Hauptamtliche (mich eingeschlossen) schaffen es nicht, sich adäquat abzugrenzen. Und viele Ehrenamtliche (mich eingeschlossen) haben keinen Überblick darüber, was „ihre“ Hauptamtlichen so alles auf dem Zettel haben. Da nur wenige, größere Organisationen sich den Luxus von Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Hauptamtlichen leisten können, heißt das dann oft in der Praxis, dass alles, was die Ehrenamtlichen nicht machen wollen oder zeitlich nicht schaffen, automatisch und unhinterfragt bei dem:der Hauptamtlichen landet. Aus Sicht der Ehrenamtlichen verständlich, schließlich machen sie das alles in ihrer Freizeit und werden nicht dafür bezahlt. Aus Sicht der Hauptamtlichen aber nicht notwendigerweise auch gerecht – denn sie werden auch nicht für alles bezahlt, was sie da machen.
Da hilft nur reden. Wie so oft. Und klar delegieren. Beides Themen, die uns auf diesem Blog noch häufiger beschäftigen werden.